Wer bekommt Kapital – und warum? In der Angel-Szene lautet die ehrliche Antwort meist: Es ist schwer zu sagen. Entscheidungen fallen im persönlichen Gespräch, auf Basis von Bauchgefühl, Netzwerk und Erfahrung. Messbare Daten dazu gab es bislang kaum. Das Berliner Business-Angel-Netzwerk Companisto will das jetzt ändern.
50.000 Sessions, 166 Runden, eine Datenbank
Companisto hat nach eigenen Angaben erstmals systematisch ausgewertet, wie Business Angels auf seiner Plattform Startups prüfen. Die Grundlage: mehr als 50.000 Investor-Sessions aus 166 Finanzierungsrunden. Da der gesamte Investmentprozess digital abläuft, kann das Netzwerk in Echtzeit verfolgen, welche Dokumente Investoren öffnen, in welcher Reihenfolge sie vorgehen und wie oft sie auf ein Profil zurückkehren. Solche Verhaltensdaten blieben in analogen Angel-Prozessen bisher unsichtbar.
Die konkreten Ergebnisse will Companisto in einem Market Report veröffentlichen, der laut eigener Ankündigung „in Kürze“ erscheint. Vollständige Benchmarks liegen damit noch nicht öffentlich vor – die methodische Grundlage aber schon.
Warum das für Gründer relevant ist
Die Frage, wie Angels entscheiden, ist für Gründer keine akademische. Wer Investor-Kommunikation professionell aufsetzen will, muss verstehen, welche Unterlagen zuerst gelesen werden, welche Signale Vertrauen aufbauen und an welchem Punkt ein Angel abspringt.
Bislang basierte dieses Wissen fast ausschließlich auf Erfahrungsberichten. Eine belastbare Datenbasis fehlte. Das liegt auch daran, dass Angel-Investing traditionell dezentral und intransparent funktioniert: Ein einzelner Angel im DACH-Raum investiert typischerweise zwischen 25.000 und 200.000 Euro pro Ticket – persönlich, diskret und ohne standardisierte Prozesse.
Companisto als Datenproduzent
Companisto nimmt im DACH-Markt eine strukturell besondere Rolle ein. Das Netzwerk zählt nach eigenen Angaben über 6.700 Business Angels und ist damit das größte seiner Art in der Region. Im Geschäftsjahr 2025 flossen über die Plattform mehr als 45,8 Millionen Euro in 35 Finanzierungsrunden, verteilt auf 15 Branchen. Schwerpunkte: MedTech, Automotive und GreenTech. Laut ECCL-Studie 2025 war Companisto zudem die volumenstärkste Equity-Crowdfunding-Plattform in der EU.
Weil der Prozess vollständig digitalisiert ist, entstehen bei jeder Runde strukturierte Verhaltensdaten. Das ist der eigentliche Hebel: Companisto hat de facto eine Verhaltensforschungs-Infrastruktur aufgebaut, die andere Netzwerke nicht besitzen. Die Frage ist, wie belastbar die Rückschlüsse auf Angel-Verhalten generell sind – denn wer über Companisto investiert, ist möglicherweise nicht repräsentativ für das gesamte Angel-Spektrum.
Was Gründer jetzt schon ableiten können
Auch ohne den vollständigen Report lassen sich aus dem methodischen Ansatz praktische Schlüsse ziehen. Angels, die ein Startup-Profil mehrfach aufrufen, signalisieren ernsthaftes Interesse – das Timing und die Vollständigkeit der bereitgestellten Unterlagen werden damit zum Conversion-Faktor. Wer im Fundraising-Prozess wichtige Dokumente wie Pitch Deck, Finanzkennzahlen oder Team-Informationen erst nachliefert, riskiert, dass ein Angel das Profil nach dem ersten Besuch nicht mehr öffnet.
Branchenübergreifend gilt: Ob ein Startup Kapital bekommt, hängt nicht nur vom Produkt ab – sondern auch davon, wie der Finanzierungsprozess selbst gestaltet ist. Warm Introductions konvertieren im DACH-Markt acht- bis fünfzehnmal besser als Kaltansprache. Persönliches Vertrauen schlägt den perfekten Pitch. Und: Investoren, die bereits in einem Portfolio-Unternehmen engagiert sind, investieren häufiger erneut – Companisto selbst nennt das Beispiel der AMERIA AG, in die das Netzwerk über mehrere Runden hinweg insgesamt mehr als 50 Millionen Euro investiert hat.
Sponsored Post mit echtem Datenkern
Einen Vorbehalt sollten Leser im Blick behalten: Der Ursprungsartikel auf Gründerszene ist als Sponsored Post gekennzeichnet – Companisto selbst ist der Absender. Das schmälert nicht den Informationswert der angekündigten Studie, verlangt aber eine kritische Einordnung: Netzwerke, die ihre eigene Plattform vermarkten, haben ein Interesse daran, die Ergebnisse vorteilhaft zu framen. Gründer sollten den vollständigen Report abwarten, bevor sie ihre Fundraising-Strategie allein darauf aufbauen.
Für die Szene wäre ein gut dokumentierter, öffentlich zugänglicher Datensatz über Angel-Investitionsverhalten dennoch ein echter Mehrwert – vergleichbare Studien auf DACH-Ebene gibt es bislang kaum. Auch größere europäische Finanzierungsrunden zeigen: Wer den Kapitalmarkt versteht, hat einen strukturellen Vorteil.
Quellen
- Gründerszene / Business Insider – Erstmals messbar: So entscheiden Business Angels wirklich (Sponsored Post)
- StartingUp – Companisto investiert 2025 über 45,8 Mio. Euro in Start-ups und Scale-ups
- fair-NEWS – Companisto ist laut ECCL-Studie 2025 die volumenstärkste Equity-Crowdfunding-Plattform in der EU
- UpXcale – Angel Investors für Startups finden: 7 Kanäle + INVEST-Zuschuss
Beitragsbild: Foto von www.kaboompics.com auf Pexels
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