Einen neuen VC-Fonds aufzulegen war noch nie einfach. Aber laut Nisha Dua, Managing Partner und Mitgründerin des New Yorker Seed-Fonds BBG Ventures, ist es heute schwieriger denn je. Ihre Einschätzung trifft einen Nerv – denn die strukturellen Verschiebungen, die sie beschreibt, sind kein US-amerikanisches Phänomen. Sie zeigen sich genauso im deutschsprachigen Startup-Ökosystem.
Das Kapital wandert nach oben
Das Grundproblem ist simpel, aber folgenreich: Immer mehr Kapital fließt zu immer weniger, immer größeren Fonds. Laut einer Auswertung der Fondsplattform Carta machen Fonds mit mehr als 100 Millionen Dollar Volumen zwar nur rund 11 Prozent aller Vehikel aus – vereinen aber über 52 Prozent des gesamten committed capital auf sich. Das ist eine drastische Schieflage, die kleinen und mittleren Managern das Fundraising strukturell erschwert.
Limited Partners – also institutionelle Investoren wie Versicherungen, Pensionsfonds oder Family Offices – bevorzugen zunehmend bewährte Manager mit langen Track Records und klaren Strategien. Wachstumsversprechen allein überzeugen nicht mehr. Wer keine nachweisbaren Ergebnisse aus früheren Fonds vorweisen kann, hat es schwer, auch nur erste Zusagen zu erhalten. Das bestätigt auch eine aktuelle Umfrage des VC Magazins unter deutschen Fondsmanagern: Ähnliche Selektivität zeigt sich auch auf Ebene der Business Angels – der Druck, von Anfang an klare Signale zu liefern, wächst auf allen Finanzierungsstufen.
Institutionelle Investoren fehlen – besonders in Deutschland
Ein Sonderproblem für den DACH-Raum: Altersvorsorgeeinrichtungen und Versicherungen spielen beim Fundraising deutscher VC-Fonds eine deutlich geringere Rolle als international üblich. Das zeigt eine Analyse von KfW Research aus dem März 2026. Während Pensionsfonds und Versicherungen global für rund zwei Drittel des verwalteten Private-Equity-Kapitals verantwortlich sind, fällt ihr Anteil an deutschen Beteiligungsgesellschaften weit unterdurchschnittlich aus – sowohl im europäischen als auch im globalen Vergleich.
Gründe dafür sind regulatorische Hürden wie Solvency II, fehlende Risikobereitschaft und mangelnde Erfahrung mit der Assetklasse Venture Capital. Rund 60 Prozent der befragten Beteiligungsgesellschaften hatten zwar bereits Gespräche mit Versorgungswerken oder Pensionsfonds geführt – aber diese Gespräche mündeten selten in konkrete Kapitalzusagen. Das engt den Kapitalpool für Fonds ohne Staatsbeteiligung erheblich ein.
Generalisten verlieren, Spezialisten gewinnen
Was aus dem Markt spürbar hervorgeht: Generalistisch aufgestellte Fonds haben deutlich mehr Mühe, Kapital einzuwerben, als solche mit klar definiertem Fokus. Spezialisierte Teams – etwa im Bereich DeepTech, ClimateTech oder Life Sciences – können Investoren ein spezifisches Derisking anbieten und profitieren von ihrer sektoralen Expertise. Dieser Trend bestätigt sich in Deutschland: Staatlich unterstützte Fonds füllen in frühen Phasen vielfach die Lücke, die private Investoren hinterlassen – insbesondere in strategisch relevanten Feldern wie KI, Industrietechnologie oder grüner Chemie.
Hinzu kommt ein Exit-Problem: Weil Exits ausbleiben oder sich verzögern, sitzen viele LPs auf bestehenden Engagements und warten auf Rückflüsse, bevor sie neues Kapital einsetzen. Gründer, die angesichts solcher Marktlagen auf externes Kapital verzichten, spiegeln damit eine rationale Reaktion auf ein strukturell verknapptes Angebot wider.
Was bedeutet das für Gründer?
Die Konsequenzen dieser Kapitalkonzentration sind für Gründer im DACH-Raum direkt spürbar. Weniger aktive kleine Fonds bedeuten weniger Risikotoleranz am Markt – und damit weniger Finanzierung für frühe, unerprobte Ideen. Große Fonds investieren zwar viel Kapital, aber in der Regel in spätere Phasen und bewährtere Geschäftsmodelle. Die Frühphasenfinanzierung bleibt damit weiter ein kritischer Engpass.
Nisha Dua und andere kleinere Fondsmanagerinnen zeigen, wie man damit umgeht: mit klarer Positionierung, einem spezifischen Thesis-Ansatz und dem Aufbau von Vertrauen zu LPs über mehrere Fondsgenerationen hinweg. BBG Ventures hat sich seit 2014 auf Gründerinnen im Consumer-Tech-Bereich fokussiert – ein klares Alleinstellungsmerkmal, das im zunehmend selezierten Fundraisingmarkt trägt. Ähnlich funktioniert auch der Aufstieg spezialisierter europäischer Fonds: Was VCs wirklich von Gründern erwarten, hat sich verschoben – weg vom Wachstumshype, hin zu belastbaren Fundamentaldaten und nachweisbarem Marktverständnis.
Selektive Erholung, kein breiter Aufschwung
Die VC-Stimmung 2026 lässt sich am treffendsten als selektive Erholung beschreiben. Die Starre aus 2023 und 2024 ist überwunden, aber von einer breiten Rückkehr des Fundraising-Optimismus kann keine Rede sein. Wer als Fondsmanager auf Track Record, Spezialisierung und langfristige LP-Beziehungen setzt, findet wieder Kapital. Wer als Generalist ohne klare Differenzierung antritt, kämpft. Und wer als Gründer Kapital sucht, muss verstehen: Die Fonds, die heute Geld haben, geben es selektiver aus als je zuvor.
Quellen
- Gründerszene / Business Insider Deutschland – „Es ist schwieriger denn je, einen Fonds aufzulegen“: Der brutale Wandel der VC-Welt
- VC Magazin – Aktuelle Fundraising-Erfahrungen 2026
- Springer Professional – Altersvorsorgeeinrichtungen in VC-Fonds Mangelware (KfW Research, März 2026)
- Carta – Q4 2025 VC Fund Performance
Beitragsbild: Foto von Negative Space auf Pexels
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