Zwei Meldungen, eine Woche, zwei völlig verschiedene Branchen – und doch erzählen sie dasselbe: Deutschlands Startup-Szene kann Weltklasse. Quantum Systems schließt die größte Rüstungs-Finanzierungsrunde in der Geschichte Europas ab. KoRo meldet Rekordwachstum und erstmals schwarze Zahlen. Beide Geschichten taugen als Lehrstück.
Quantum Systems: Vom Münchner Keller zum europäischen Defense-Tech-Champion
Der Münchner Drohnenhersteller Quantum Systems hat diese Woche eine Finanzierungsrunde in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Das Besondere daran: Es ist laut Handelsblatt die bislang größte Finanzierungsrunde eines Rüstungsunternehmens in Europa. Die Unternehmensbewertung stieg dabei auf rund acht Milliarden Dollar – mehr als doppelt so hoch wie zuletzt. Binnen eines Jahres hat Quantum Systems seinen Firmenwert damit auf das Achtfache gesteigert.
Gegründet 2015 von den Luft- und Raumfahrtingenieuren Florian Seibel, Armin Busse und Tobias Kloss, hat sich das Unternehmen aus Gilching bei München zur Vorzeigeadresse für militärische und zivile Drohnentechnologie entwickelt. Das Flaggschiffprodukt Vector ist eine senkrecht startende Aufklärungsdrohne, die Missionen in bis zu 60 Kilometern Entfernung durchführen kann. Hinzu kommt eine Softwareplattform für unbemannte Systeme sowie die Entwicklung von Abfangdrohnen.
Was Quantum Systems von vielen hochbewerteten Startups unterscheidet: Das Unternehmen wirtschaftet profitabel. Co-CEO Florian Seibel formuliert das Ziel selbstbewusst: 1.600 Mitarbeiter, profitabel – und die Ambition, „eine innovative Rheinmetall“ zu werden, langfristig einen 100-Milliarden-Dollar-Konzern aus Europa aufzubauen. Dass diese Aussage nicht nur Rhetorik ist, zeigen die Umsatzzahlen: Für 2025 wurden 300 Millionen Euro erwartet, für 2026 über 500 Millionen Euro – ausgehend von 113 Millionen Euro im Jahr davor.
Quantum Systems steht damit exemplarisch für den europaweiten Boom bei Defense-Tech und Dual-Use-Startups. Die Finanzierung für dieses Segment stieg zuletzt um 175 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar. Kunden sind Streitkräfte, Polizeibehörden, Feuerwehren und Betreiber kritischer Infrastruktur. In der Ukraine betreibt das Unternehmen bereits zwei Fabriken. Standorte gibt es zudem in Großbritannien, den USA, Australien, Rumänien und Litauen.
Ein Börsengang in Frankfurt steht im Raum – Handelsblatt-Berichten zufolge könnte der Schritt mittelfristig kommen, mit einer angestrebten Marktkapitalisierung von zehn Milliarden Euro. Wer die Entwicklung von Europas aufstrebenden Deep-Tech-Ökosystemen verfolgt, findet im Artikel NewSpace trifft Mittelstand weitere Einordnung dazu.
KoRo: Profitables Wachstum mit Nüssen, Daten und Geduld
Auf den ersten Blick könnte der Kontrast kaum größer sein. Während Quantum Systems Drohnen für den Kriegseinsatz baut, verkauft KoRo Trockenfrüchte, Nussmus und Proteinriegel. Doch auch der Berliner Snackhersteller liefert diese Woche eine Botschaft, die aufhorchen lässt: 252 Millionen Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2025, ein Plus von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und erstmals ein deutlich positives Ergebnis auf Gruppenebene sowie ein positiver operativer Cashflow.
Das Besondere am KoRo-Modell ist die Verzahnung von Online und stationärem Handel. Was sich im eigenen Onlineshop bei über 2,5 Millionen Kunden bewährt, wandert gezielt in die Regale des Einzelhandels – heute an rund 15.000 Verkaufsstellen in Deutschland. CEO Florian Schwenkert beschreibt es selbst: Echtzeitdaten ermöglichen es, „Online-Gewinner gezielt in den Einzelhandel zu bringen“, was zu einer besseren Regalrotation führt. Dieser datengetriebene Omnichannel-Ansatz ist kein Marketing-Buzzword, sondern nachweislich der Kern des Wachstums.
Der Weg dorthin war nicht linear. KoRo startete 2012 als Online-Drogerie, pivotierte zu naturbelassenen Lebensmitteln, profitierte stark von der Corona-Pandemie und musste danach einen echten strategischen Neustart hinlegen. Statt nur auf den Onlinekanal zu setzen, baute das Team konsequent das stationäre Geschäft aus – mit Erfolg. Heute ist KoRo in 14 Ländern aktiv, mit besonders starker Präsenz in Frankreich und Italien.
Für Marketer und Händler ist das KoRo-Modell lehrreich: Der Onlineshop fungiert als Produktlabor und Datengenerator zugleich. Was dort skaliert, wird mit reduziertem Risiko in den Handel überführt. Eine Logik, die gerade in einem schwächelnden Konsumumfeld Stabilität schafft – und die zeigt, dass nachhaltiges Wachstum manchmal langsamer, aber solider ist als der nächste große Funding-Sprint.
Was beide Fälle gemeinsam haben
Quantum Systems und KoRo teilen auf den ersten Blick wenig. Doch bei näherer Betrachtung fallen drei Gemeinsamkeiten auf:
Erstens: Profitabilität als Differenziator. Beide Unternehmen betonen, dass sie profitabel wirtschaften – in einer Startup-Welt, in der das noch immer keine Selbstverständlichkeit ist. Das macht sie attraktiver für Investoren und stabiler in der Krise.
Zweitens: Daten als strategische Ressource. Quantum Systems baut KI und Software in seine Drohnensysteme ein. KoRo nutzt Echtzeit-Kundendaten zur Sortimentssteuerung. In beiden Fällen ist Technologie kein Beiwerk, sondern Herzstück des Geschäftsmodells.
Drittens: Timing. Quantum Systems surft auf dem Defense-Tech-Boom, der durch veränderte geopolitische Realitäten ausgelöst wurde. KoRo trifft mit seinem Fokus auf gesunde, naturbelassene Ernährung einen gesellschaftlichen Langzeittrend. Wer zum richtigen Zeitpunkt das richtige Produkt hat und operativ sauber aufgestellt ist, kann auch in schwierigen Marktphasen wachsen.
Wer verstehen will, wie das breitere Bild des deutschen Unicorn-Markts 2026 aussieht, findet eine gute Einordnung im Marktnotiz-Artikel Sieben neue Einhörner: Was der deutsche Unicorn-Jahrgang 2026 über den Startup-Markt verrät. Und wer sich fragt, wie das Fundraising-Umfeld gerade für kleinere Fonds aussieht, lohnt sich der Blick auf Kapital sucht Größe.
Quellen
- Gründerszene / Business Insider – Deutschlands nächstes Mega-Unicorn: Drohnen-Startup Quantum Systems sammelt 1,2 Milliarden ein
- deutsche-startups.de – #StartupTicker: Quantum Systems, KoRo, Varm, Wellster Healthtech, Rethink Ventures
- Handelsblatt – Drohnen: Quantum Systems sammelt mehr als eine Milliarde Euro ein
- Handelsblatt – Drohnen-Start-up Quantum Systems steuert auf Börsengang zu
- rundschau.de – KoRo wächst um 44 Prozent und verbessert Ergebnis deutlich
- Lebensmittelzeitung – Snacks: Koro schafft die Gewinnwende
Beitragsbild: Foto von Alan Kabeš auf Pexels
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