Berlin, Wien, Stuttgart – Jochen Krisch und das Team von Exciting Commerce machen dieser und nächster Woche Station in gleich drei deutschsprachigen Städten. Im Mittelpunkt der kleinen, bewusst exklusiven Thinktank-Runden steht eine Frage, die den Onlinehandel in seinem Kern trifft: Was bedeutet es, wenn Konsumenten zunehmend KI-Agenten losschicken, die für sie suchen, vergleichen und kaufen?
Vom Klick zum Prompt: Der Wandel im Einkaufsverhalten
Einkaufen war lange ein manueller Prozess: Suchen, Vergleichen, Klicken, Bezahlen. Dieser Ablauf verändert sich gerade grundlegend. KI-gestützte Agenten übernehmen zunehmend Produktrecherche, Preisvergleich und sogar den Checkout – ohne dass der Nutzer aktiv eingreift. Nicht mehr der Mensch navigiert durch den Shop, sondern sein digitaler Assistent. Die Transaktion findet direkt innerhalb von KI-Systemen statt.
Konkret läuft das so: Ein Nutzer gibt einen Prompt ein. Ein KI-Modell analysiert die Anfrage, ruft strukturierte Produktdaten über Schnittstellen ab, bewertet Relevanz und Vertrauenssignale – und schließt bei ausreichendem Auftrag den Kauf autonom ab. Für Händler heißt das: Produkte müssen nicht mehr nur für Menschen attraktiv sein, sondern auch für Algorithmen verständlich, vergleichbar und vertrauenswürdig.
Wo stehen wir gerade – und was sagen die Zahlen?
Die Entwicklung ist weiter als viele denken – aber noch nicht so weit wie manche behaupten. Laut einer Studie des österreichischen Handelsverbands (April 2026) nutzen bereits 23 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten KI-gestützte Suchfunktionen beim Einkauf, 21 Prozent personalisierte Produktempfehlungen. Vier Prozent haben bereits einen Einkauf vollständig von einem KI-Agenten durchführen lassen. Und 32 Prozent erwarten, dass KI ihre Kaufentscheidungen beim Online-Shopping bereits in den nächsten zwei Jahren stark beeinflussen wird.
Noch deutlicher wird das Potenzial, wenn man auf die jüngere Zielgruppe schaut: Während in der Gesamtbevölkerung nur zwölf Prozent angeben, sich vorstellen zu können, einen Agenten Einkäufe erledigen zu lassen, ist es in der Gen Z bereits jeder Vierte. Laut einer Prognose von Strategy& (PwC) könnten bis 2030 bis zu 15 Prozent des europäischen Onlinehandels über Agentic AI abgewickelt werden. Morgan Stanley geht noch weiter und erwartet, dass knapp die Hälfte aller Online-Käufer bis 2030 KI-Shopping-Agenten nutzen wird.
Gleichzeitig zeigt die Realität, wie holprig der Weg ist. OpenAI hatte im Herbst 2025 mit großem Aufsehen eine Instant-Checkout-Funktion in ChatGPT eingeführt – und sie Anfang März 2026 wieder entfernt. Von Shopifys Millionen Händlern waren laut Forrester-Analysten nur rund 30 mit dem Feature live. Ein Rückschlag, der aber kein Ende des Trends bedeutet – eher einen Neustart auf soliderer technischer Basis.
Was der Thinktank-Ansatz von Exciting Commerce leistet
Genau in diese Phase fällt die aktuelle Thinktank-Reihe von Exciting Commerce. Nach Stationen in Zürich, München und Hamburg folgen Berlin (25. Juni), Wien (2. Juli) und Stuttgart (9. Juli) – jeweils von 15 bis 18 Uhr, in bewusst kleinen Runden mit zehn bis zwölf Teilnehmenden. Das Format setzt auf Tiefe statt Bühnenbreite: Wer dabei sein möchte, meldet sich per E-Mail oder LinkedIn-Direktnachricht an. Auch Location-Sponsoren sind willkommen.
Das Thema „The Power of Consumer Agents“ ist gut gewählt für diesen Moment. Denn während große Konferenzen das Thema oft noch abstrakt behandeln, geht es in solchen Formaten um die konkreten Fragen: Wie erkenne ich als Händler, ob meine Produktdaten agententauglich sind? Wie verändert sich meine Sichtbarkeit, wenn Suchmaschinen durch Agenten ersetzt werden? Und wer entscheidet eigentlich, welche Produkte ein Agent empfiehlt?
Was Händler jetzt konkret tun sollten
Die wichtigste Erkenntnis aus der laufenden Debatte: Wer in einer agentischen Welt nicht auffindbar ist, findet im Kaufmoment schlicht nicht statt. Das verändert die Prioritäten im Shop-Betrieb spürbar. Strukturierte, semantisch präzise Produktdaten werden zum Wettbewerbsfaktor. API-fähige Architekturen gewinnen an Bedeutung. Und klassischer SEO-Traffic verliert langfristig an Gewicht gegenüber der sogenannten Answer Engine Optimization (AEO) – also der Fähigkeit, von KI-Systemen korrekt verstanden und empfohlen zu werden.
Konkret bedeutet das für Händler: Produktbeschreibungen müssen maschinenlesbar und eindeutig sein. Preise, Verfügbarkeiten und Bewertungen sollten sauber strukturiert und aktuell über Schnittstellen abrufbar sein. Markenbindung zählt auch in der Agentenwelt – wer als vertrauenswürdige Marke bekannt ist, wird von Agenten bevorzugt ausgewählt.
Der Blick auf Googles Universal Commerce Protocol zeigt, wie die großen Plattformen bereits die technische Infrastruktur für agentisches Einkaufen aufbauen. Und auch was China im E-Commerce vorgemacht hat, ist ein Vorgeschmack auf die Geschwindigkeit, mit der sich diese Strukturveränderung vollziehen kann.
Für Händler im DACH-Raum gilt: Der Wandel kommt nicht auf einen Schlag. Aber er kommt. Wer jetzt die Grundlagen legt – saubere Daten, offene Schnittstellen, klare Markenpositionierung – wird in einer Welt der Consumer Agents sichtbar bleiben. Wer wartet, riskiert die Unsichtbarkeit.
Quellen
- Exciting Commerce – AI Thinktank: The Power of Consumer Agents – in Berlin, Wien und Stuttgart
- Exciting Commerce – Die nächsten AI-Thinktanks in Hamburg, Berlin und Wien
- Handelsverband Österreich – CC Agentic Commerce 2026
- etailment – Agentic Commerce: KI-Agenten im Handel: Wie Wunsch und Realität auseinanderdriften
- commercetools – 7 AI Trends Shaping Agentic Commerce in 2026
Beitragsbild: Foto von Vlad Nazarov auf Pexels
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